Tempo machen für Inklusion: Aktionen zum Protesttag 2022 in Berlin

Am vergangenen Donnerstag, dem 05. Mai 2022, fand der 30. Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung statt. Unter dem Leitmotto „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel!“ wurden Missstände im öffentlichen Verkehr aufgezeigt, die selbst einfache Reisen mit dem Rollstuhl erschweren. In ganz Deutschland kamen Menschen in hunderten Städten und Gemeinden zusammen, um sich für Verbesserungen in der Mobilität einzusetzen. Unter anderem, indem sie die örtlichen Bahnhöfe besuchten und auf ihre Barrierefreiheit überprüften. Parallel dazu fanden im Berliner Regierungsviertel Aktionen und Proteste statt.

Protestaktion der ISL e.V. zur Diskriminierung beim Bahnfahren

Fehlende stufenlose Einstiege, zu wenig Platz für Rollstuhlfahrer, eingeschränkte Fahrtzeiten: Wer mit der Bahn fahren möchte, muss auch heute noch mit Hürden rechnen. Während man oft auf die Hilfe vom Zugpersonal angewiesen ist, sind spontane Reisen in vielen Fällen gar nicht erst möglich. Insbesondere, weil Voranmeldungen bei der Bahn notwendig sind. Deshalb stellt die „Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland“ eine ganz einfache Forderung: Gleichberechtigtes Reisen für alle.

Sei es auf Langstrecken oder im Regionalverkehr – für Rollstuhlfahrer ist das Bahnfahren mit diversen Erschwernissen verbunden.

Um die mangelhafte Barrierefreiheit zu veranschaulichen, baute der ISL e.V. einen improvisierten Zugeinstieg vor dem Brandenburger Tor auf. Vor Ort berichteten Menschen mit Behinderung von der alltäglichen Diskriminierung, die sie im Zusammenhang mit dem Nahverkehr erfahren. Zudem wurde jüngst ein Verfahren gegen die neuen ICE-Züge eingeleitet. Hintergrund ist, dass auch die „modernisierten“ Züge trotz aller Versprechen keinen ebenen Zugang haben und man auch in Zukunft auf fremde Hilfe angewiesen ist.

Demonstration und Kundgebung vor dem Roten Rathaus

Während die Aktion der ISL e.V. am Vormittag stattfand, begann um 14:00 Uhr die nächste Demonstration am Brandenburger Tor. Der von zahlreichen Vereinen und Institutionen organisierte Protest führte bis zum Roten Rathaus, wo eine Abschlusskundgebung erfolgte. An diversen Infoständen konnten sich interessierte TeilnehmerInnen zu unterschiedlichen Themen informieren. Auch hier stand das Leitmotto „Tempo machen für Inklusion – barrierefrei zum Ziel!“ im Vordergrund und wurde durch die Aufforderung an die Landesregierung, die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen konsequent durchzusetzen, untermauert.

Mobilität war nicht das einzige Thema

Das Leben ist vielfältig. Und damit auch die Themenbereiche, die eine inklusive Gesellschaft berührt. Neben einer verbesserten Mobilität machten AktivistInnen mit rund 600 Projekten und Aktionen auf bestehende Defizite aufmerksam. Sei es der Berufszugang und die Gleichstellung auf dem Arbeitsmarkt, die Lebensbedingungen für geflüchtete Menschen mit Behinderungen, Barrieren im Alltag und mehr. Auch 30 Jahre nach dem ersten Europäischen Protesttag sind die Herausforderungen immer noch groß. Damit wird es in Zukunft weiterhin wichtig bleiben, die Öffentlichkeit für bestehende Problematiken zu sensibilisieren und Entscheider in Verantwortung zu nehmen.