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Assistenzhilfe: Von Sport und Teilhabe

Das Zusammenkommen von Menschen ist das Fundament des Sports. Er senkt Barrieren und schlägt Brücken, wo sonst Grenzen sind. Sport kann über Kulturen, Sprachen, Geschlechter und Religionen hinweg verstanden und zelebriert werden. Statt sich durch Unterschiede einengen zu lassen, rücken gemeinsame Leidenschaften in den Vordergrund. Damit schafft er ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das zu einer inklusiveren Gesellschaft – und inklusiveren Welt im Ganzen – beiträgt. Ein einzigartiges Phänomen, das während großer Sportveranstaltungen wie der Fußball-WM oder den Olympischen Spielen besonders gut spürbar ist.

Dass Menschen mit Behinderung ebenfalls zu den SpitzenathletInnen der Welt zählen, ist allerspätestens seit der ersten Ausrichtung der Paralympischen Spiele im Jahr 1960 bekannt. Abseits weltweiter Events nimmt der Sport natürlich auch im ganz normalen Alltag eine besondere Rolle ein. Ob Ballsport, Leichtathletik, Kampfsport, Schwimmen oder andere Sportarten: Um ihrem Hobby nachgehen zu können, sind viele auf die Persönliche Assistenz angewiesen. Gerade im Hinblick auf die gesellschaftliche Teilhabe ist es umso wichtiger, eigene Leidenschaften auszuleben und neue Herausforderungen zu meistern.

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Soziale Ebene: Sport bringt Menschen zusammen

Die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben kann sich auf verschiedenen Wegen äußern. Wie bereits am Anfang erwähnt, ist das Zusammenkommen von Menschen die elementare Basis des Sports. Damit ist er das ideale Mittel, um sich unter Gleichgesinnten auszutauschen und sich gegenseitig zu neuen Höchstleistungen zu ermutigen. Natürlich gibt es auch Einzelsportarten, denen man auf eigene Faust nachgehen kann. Jedoch trifft man immer wieder auf MitstreiterInnen, die die eigene Leidenschaft teilen. Selbst, wenn es in einem Online-Forum für die Sportart oder bei einer Spielübertragung in der Bar nebenan ist.

Persönliche Ebene: Stärkung des Selbstbewusstseins

Jeder Mensch definiert sich – ob mit oder ohne Behinderung – auf seine eigene Art und Weise. Dabei sind das Selbstbewusstsein und die Achtung vor den eigenen Leistungen zwei wichtige Bestandteile der Eigenwahrnehmung. In diesem Zusammenhang ist Sport auch ein Wettbewerb mit sich selbst. Neue Fähigkeiten zu erlernen, Potenziale zu ergreifen und vermeintlich unüberwindbare Hürden zu nehmen sind Dinge, die einen positiven Einfluss auf das Selbstbild haben. Dementsprechend erhalten Menschen, denen das Sporttreiben ohne Unterstützung nicht möglich ist, mit der Persönlichen Assistenz eine zusätzliche Möglichkeit, sich selbst unter Beweis zu stellen.

Gesundheitliche Ebene: Training hält fit

Zu guter Letzt muss auch erwähnt werden, dass man beim Sporteln ordentlich ins Schwitzen kommt. Sich im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu bewegen, die Muskeln zu trainieren und den Körper zu aktivieren bringt viele gesundheitliche Vorteile mit sich. Von einer verbesserten Ausdauer über mehr Kraft bis hin zu einem stärkeren Immunsystem zieht sich die Liste Vorteil für Vorteil fort. So liegt es auch im Sinne der Persönlichen Assistenz, das Wohlbefinden der LeistungsnehmerInnen nachhaltig zu verbessern. Umso schöner, wenn man es gemeinsam durch spaßmachende Aktivitäten fördern kann.

Sport und Persönliche Assistenz

Während einige Sportbegeisterte keine weitere Unterstützung benötigen, sind andere auf eine Begleitung angewiesen. Sei es beispielsweise, um zur Turnhalle zu gelangen, sich umzukleiden, die Kommunikation mit anderen zu erleichtern oder einfach nur, um einen Partner dabei zu haben. Je nach individueller Situation erhalten Menschen mit Behinderung dank der Persönlichen Assistenz im Sport genau die Unterstützung, die sie zum Trainieren brauchen und wünschen.

Das Grundprinzip der Assistenzhilfe besteht darin, dass die LeistungsnehmerInnen selbst entscheiden, welche Hilfestellungen sie erhalten. Dabei ist es egal, ob es um die Persönliche Assistenz im Sport oder anderen Lebensbereichen wie dem Beruf oder der täglichen Haushaltsführung geht. Die begleitenden Assistenzkräfte werden eigenständig ausgesucht und eingearbeitet, sodass die Selbstbestimmung in vollem Umfang berücksichtigt wird.

Im Hinblick auf die sportliche Betätigung erfüllen Assistenzkräfte eine Bandbreite an Aufgaben – sofern es denn gewünscht ist. Während man vollen Einsatz geben und sich auspowern kann, kümmern sie sich um bürokratische Angelegenheiten mit dem Verein oder Fitnessstudio, organisieren die Hin- und Rückfahrt, achten auf eine ausreichende Versorgung und sind sogar bei Auswärtsspielen mit dabei. Und wenn sich mal keine MitspielerInnen finden, springen sie auch hier ein.

Rechtliche Rahmenbedingungen und Beratung

Der Leistungsanspruch auf die Persönliche Assistenz in Zusammenhang mit sportlichen Aktivitäten wird unter anderem über § 78 SGB IX festgelegt:

„(1) Zur selbstbestimmten und eigenständigen Bewältigung des Alltages einschließlich der Tagesstrukturierung werden Leistungen für Assistenz erbracht. Sie umfassen insbesondere Leistungen für die allgemeinen Erledigungen des Alltags wie die Haushaltsführung, die Gestaltung sozialer Beziehungen, die persönliche Lebensplanung, die Teilhabe am gemeinschaftlichen und kulturellen Leben, die Freizeitgestaltung einschließlich sportlicher Aktivitäten sowie die Sicherstellung der Wirksamkeit der ärztlichen und ärztlich verordneten Leistungen. Sie beinhalten die Verständigung mit der Umwelt in diesen Bereichen.“

Ob und inwiefern man selbst oder Angehörige leistungsberechtigt sind, ist mit den jeweiligen Leistunsträgern zu klären. Darüber hinaus eröffnet sich mit der ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung eine weitere Möglichkeit, sich über die Einzelheiten der Persönlichen Assistenz aus erster Hand zu informieren. Nicht zuletzt sind auch ambulante Pflegedienste, die auf die Assistenzhilfe spezialisiert sind, eine zusätzliche Anlaufstelle für InteressentInnen.

Weiterführende Informationen: