Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung

Betreutes Wohnen für Menschen mit Behinderung in Berlin

Das Leben auf eigene Faust zu führen bringt große Entscheidungen mit sich. Eine davon ist, sein gewohntes Umfeld zu verlassen und auszuziehen. Der Weg zur ersten eigenen Wohnung ist mit zahlreichen Hürden gepflastert – für die einen redensartlich, für andere wortwörtlich.Genauso wie alle anderen auch, haben Menschen mit Behinderung ein Recht auf Teilhabe in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft. Das gilt auch für die eigenen vier Wände. Je nach Schweregrad der Behinderung kann zusätzliche Unterstützung notwendig sein. In diesem Zusammenhang spielt das Betreute Wohnen als barrierefreie Wohnform eine bedeutende Rolle. Sowohl was die pflegerischen und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten, aber auch die selbstständige und eigenverantwortliche Lebensführung angeht.

Mehr als nur Unterkunft: Was ist Betreutes Wohnen?

Eigenständig sein, ein erfülltes Leben führen und gleichzeitig auch die Sicherheit haben, dass jemand da ist, wenn man Unterstützung braucht. Das Betreute Wohnen – ob allein, mit Lebenspartner oder in einer Wohngemeinschaft – ist eine interessante Option für Menschen mit Behinderung, die von nützlichen Dienstleistungsangeboten und einem kompetenten Ansprechpartner im eigenen häuslichen Umfeld profitieren möchten. Da die Bedürfnisse von Menschen zu Mensch unterschiedlich sind, braucht es eine individuell abgestimmte Betreuung. Daher sollten die Rahmenbedingungen, wie Leistungen, Kosten, Zeiträume, Haftungsregelungen und Kündigungsfristen, bereits im Vorfeld mit dem Anbieter geklärt und schriftlich festgehalten werden.

Ziele und Inhalte

Ziele und Inhalte des Betreuten Wohnens

Es ist ein grundlegendes menschliches Bedürfnis, die freie Wahl der Unterkunft zu haben. Daher ist es das primäre Ziel des Betreuten Wohnens, den Klientinnen und Klienten so wenig Verantwortung wie nötig abzunehmen, um sie dabei zu unterstützen, ihren Alltag selbstständig zu gestalten. In der Regel haben die Begleitpersonen und Assistenzkräfte eine Ausbildung im Bereich der Pflege, beispielsweise als Gesundheits- und KrankenpflegerIn, SozialpflegeassistentIn oder als Pflegekraft mit 200 Stunden Basisqualifikation. Die Qualifikation hängt nicht zuletzt auch von den Ansprüchen der Klienten ab. Die Services innerhalb des Betreuten Wohnens sind lediglich als Unterstützung gedacht, nicht als Ersatz für die eigene Leistung, die jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten aufbringen kann. Sie erhalten dort Hilfe, wo sie auch wirklich benötigt wird. Je nach Unterstützungsbedarf reichen die pflegerischen und hauswirtschaftlichen Leistungen des Betreuten Wohnens von ganz alltäglichen Erledigungen bis hin zur ambulanten Pflege, darunter:

  • Unterstützung bei der Wohnungssuche
  • Hilfe bei Einkauf und Essenszubereitung
  • Reinigung und Instandhaltung der Wohnung
  • Unterstützung bei der Körperpflege
  • Durchführung kleinerer Handwerksarbeiten
  • Erhaltung und Förderung der Gesundheit durch Prophylaxen
  • Unterstützung bei der Arbeitsplatzsuche
  • Hilfe bei der Gestaltung und Erhaltung sozialer Beziehungen
  • Erledigung von rechtlichen und finanziellen Angelegenheiten
  • Begleitung zu kulturellen Angeboten und gesellschaftlichen Anlässen
  • Hilfe bei der Kommunikation, z. B. beim Lesen, Schreiben, Rechnen
  • Förderung der emotionalen und psychischen Entwicklung

Die Leistungen unterscheiden sich nicht nur von Anbieter zu Anbieter und im Hinblick auf die individuellen Bedürfnisse, sondern hängen oftmals auch von der Wohnform ab. Im Bereich des Betreuten Wohnens wird grundsätzlich zwischen Betreutem Einzelwohnen und Betreuten Wohngemeinschaften unterschieden, jedoch sind auch andere Wohnformen möglich. Welche davon am besten ist, lässt sich pauschal nicht beantworten, da es auf die persönlichen Voraussetzungen ankommt. Letztlich sind auch die Wohnwünsche so verschieden wie die Menschen selbst.

Leben in Eigenregie: Betreutes Einzelwohnen

Mit dem Betreuten Einzelwohnen erhalten Menschen mit Behinderung genau die Unterstützung, die benötigt wird, um eine weitestgehend eigenständige Lebensführung in der eigenen Wohnung zu ermöglichen. Auf Grundlage der individuellen Bedürfnisse und Wünsche werden in enger Kooperation mit dem Anbieter Ziele erarbeitet, die innerhalb des Betreuten Einzelwohnens erreicht werden sollen. Diese können von der Aufrechterhaltung einer angemessenen Lebensqualität über die Förderung von Selbsthilfekräften bis hin zur Vermeidung von Klinikaufenthalten durch die ambulante Pflege reichen. Obwohl sich diese Wohnform insbesondere durch ein großes Maß an Privatsphäre und Selbstständigkeit auszeichnet, muss die zwischenmenschliche Komponente nicht unter den Tisch fallen. Sowohl die Freizeitgestaltung, die Knüpfung sozialer Kontakte als auch die Teilhabe am öffentlichen Leben zählen zu den Grundpfeilern des Betreuten Einzelwohnens.

Für wen eignet sich Betreutes Einzelwohnen?

Das Betreute Einzelwohnen eignet sich vorrangig für Menschen, die großen Wert auf Privatsphäre legen und mit individueller Unterstützung in ihrer eigenen Wohnung leben können und wollen. In der Regel haben sie bereits eine eigene Unterkunft und benötigen zusätzliche Unterstützung bei der Alltagsbewältigung. Für Personen, die sich noch auf Wohnungssuche befinden, offerieren viele Anbieter das Betreute Einzelwohnen auch in Verknüpfung mit einer Trägerwohnung. Das Betreute Einzelwohnen ist eine Wohnform, bei der die Bereitschaft zur Selbstorganisation eine wichtige Rolle einnimmt. Neben einem großen Maß an Selbstständigkeit wird auch die Fähigkeit eingefordert, sich an Absprachen zu orientieren und diese einzuhalten. Denn je besser die Zusammenarbeit gelingt, desto reibungsloser und förderlicher ist der Ablauf für alle Beteiligten.

Gemeinsam stark: Betreute Wohngemeinschaften

In Betreuten Wohngemeinschaften leben mehrere Personen in einer Wohnung zusammen. Während die Küche, das Bad und das Wohnzimmer oft geteilt werden, bietet das eigene Zimmer die benötigte Privatsphäre. Dabei können die Bewohnerinnen und Bewohner die notwendigen Leistungen gemeinsam in Anspruch nehmen. Nichtsdestotrotz wird für jede einzelne Person ein gemeinsam ausgearbeiteter Betreuungsplan zusammengestellt. Dabei erhalten sie genau solche Leistungen, die speziell ihrem persönlichen Bedarf entsprechen. Obgleich auch in Betreuten Wohngemeinschaften die Förderung der körperlichen und geistigen Gesundheit im Vordergrund steht, können in diesem Kontext auch Sozialkompetenzen sowie die Gemeinschaftsfähigkeit geschult werden. Über die pflegerischen und hauswirtschaftlichen Tätigkeiten hinaus, unterstützt das betreuende Team die Klienten auch bei der Lösung von Konflikten und der Planung von gemeinsamen Aktivitäten. Anders als bei konventionellen Pflegeheimen gibt es nur eine eingeschränkte Betreuung, wodurch ein möglichst uneingeschränkter, normaler Alltag erlebt werden kann.

Für wen eignen sich Betreute Wohngemeinschaften?

Wie ihr Name schon vermuten lässt, eignen sich Betreute Wohngemeinschaften für Menschen, die nicht allein wohnen möchten oder können. Die Bereitschaft für das Zusammenleben mit anderen ist hierbei die wichtigste Voraussetzung. Für ein harmonisches Miteinander darf auch ein gewisses Maß an Kompromissbereitschaft nicht fehlen. Schließlich verbessert die gegenseitige Rücksichtnahme nicht nur das WG-Klima, sondern eröffnet auch neue Perspektiven, zu denen man allein nie gekommen wäre. Beim Auszug aus dem Elternhaus befürchten viele, dass sie sich in den eigenen vier Wänden einsam und unsicher fühlen. Eine Betreute Wohngemeinschaft kann da helfen, da man schnell neue Bekanntschaften machen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig unterstützen kann.