Über Herausforderungen und Lösungen in Zeiten von Corona

2020 ist ein Jahr, das die Gesellschaft schon früh vor ungeahnte Aufgaben gestellt hat – und es immer noch tut. Der Coronavirus erfordert besondere Maßnahmen, um dessen Auswirkungen auf ein Minimum zu reduzieren. So sind es vor allem die systemrelevanten Berufe, welche die allmähliche Rückkehr zur Normalität ermöglichen. Darunter auch die rund 160 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes Futura: Im Rahmen der Persönlichen Assistenz pflegen, betreuen und begleiten sie tagtäglich Menschen mit Behinderungen in allen Lebenslagen. Wir haben mit Andreas Kohl, Geschäftsführer des Berliner Betriebs, über die Herausforderungen und Lösungen der vergangenen Monate gesprochen.

Was waren die ersten Hürden, die Ihr Pflegedienst im Zuge der Coronakrise nehmen musste?

So wünschenswert es wäre, kann niemand eine weltweite Pandemie voraussehen. Dementsprechend wurden auch wir vom Ausmaß der Entwicklungen überrascht. Aus organisatorischer Sicht war es gerade in den ersten Frühjahrswochen schwierig, zusätzliche Schutzbekleidung zu beschaffen. Glücklicherweise hat sich die Versorgung relativ schnell stabilisiert. Mir persönlich war es wichtig, sowohl meinem Team als auch unseren Klienten eine einheitliche Richtlinie zu bieten. Einerseits, um die Sicherheit jedes Einzelnen zu gewährleisten. Andererseits, um Befürchtungen auszuräumen und die Leistungserbringung – soweit möglich – aufrechtzuerhalten.

Welche Fragen haben sich Ihnen als Geschäftsführer gestellt?

Als ambulanter Pflegedienst für Persönliche Assistenz versorgen wir vornehmlich Menschen mit Behinderungen. Eine der ersten Fragen war, welche unserer Kundinnen und Kunden zur Risikogruppe zählen. Beispielsweise muss die Lungenkapazität von Rollstuhlfahrern berücksichtigt werden, da sie behinderungsbedingt oftmals kleiner ist. Es ist immer unser Ziel, für das Wohlergehen aller Beteiligten zu sorgen. Dazu gehört es auch, in Ausnahmesituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Umso wertvoller sind die Erfahrungswerte, die wir in den vergangenen Monaten sammeln konnten.

Änderte sich etwas an der täglichen Mitarbeiterkoordination?

Natürlich geht die Sicherheit auch bei der internen Planung vor. Hier stellte sich die Frage, wie wir die Betreuung unserer Kunden bei gleichzeitiger Einhaltung der Präventivmaßnahmen sichern können. Über die behördlichen Handlungsempfehlungen hinaus haben wir die persönlichen Übergaben gestoppt und die Teams verkleinert, um die Kontakte untereinander zu reduzieren. Auch im Büro haben wir die Belegschaft so aufgeteilt, so dass eine Hälfte vor Ort und die andere Hälfte im Home Office gearbeitet hat.

Vom Betreuten Wohnen über die Hauskrankenpflege bis hin zur Persönlichen Assistenz: Der Berliner Pflegedienst betreut derzeit rund 60 Klientinnen und Klienten.

Apropos Risikogruppen – gab es Klienten, die freiwillig auf Pflegeleistungen verzichtet haben?

Tatsächlich haben einige unserer älteren Kunden zunächst von der Leistungsfortführung abgesehen. Eine absolut nachvollziehbare Entscheidung. Mittlerweile sind sie wieder aktiv mit dabei, da es mehr Informationen zum Umgang mit dem Coronavirus gibt. An anderer Stelle konnten zwei geplante Studienassistenzen nicht wahrgenommen werden, weil die Universitäten für das Sommersemester geschlossen blieben.

Bedeutet das im Umkehrschluss, dass es für Ihren Pflegedienst weniger zu tun gab?

Anders als man vermuten würde, ist das Gegenteil der Fall. Viele unserer Kunden sind in Behindertenwerkstätten tätig. Auch die Werkstätten sind von den Entwicklungen betroffen und mussten ihren Betrieb stark reduzieren oder sogar vollständig pausieren. Mit der Folge, dass die alltägliche Begleitung auf uns übergegangen ist. Gerade in solchen Zeiten ist es wichtig, sich aufeinander verlassen zu können und dort Hilfe anzubieten, wo sie wirklich notwendig ist.

Inwiefern unterstützt der Staat die Pflegedienste für Persönliche Assistenz während der Pandemie?

Was uns als ambulanten Pflegedienst für Persönliche Assistenz im Speziellen berührt, ist die sogenannte Corona-Prämie. Dabei handelt es sich um einen Bonus für Beschäftigte im Land Berlin von bis zu 1.500 Euro, welcher über die Pflegeversicherung vom Bund finanziert wird. Bedauernswert ist, dass diese Prämie nicht für Personen gilt, die direkt bei den Leistungsnehmern im Arbeitgebermodell eingestellt sind. Die Arbeit privat beschäftigter Assistenzkräfte ist nicht weniger wichtig, weshalb sie entsprechend gewürdigt werden sollte. Außerdem wäre es schön gewesen, wenn es seitens der Regierung schnellere und deutlichere Ansagen gegeben hätte – beispielsweise im Hinblick auf die Maskenpflicht.

Herr Kohl, wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen Ihnen weiterhin alles Gute.

Sehr gerne, das wünsche ich Ihnen auch. An dieser Stelle möchte ich mich nochmal für den außergewöhnlichen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bedanken. Es tut gut zu wissen, dass man sich auf ein solch zuverlässiges und engagiertes Team verlassen kann.

Weitere Informationen zu den Leistungen der Futura GmbH in der Persönlichen Assistenz.