Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben

Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V.

Um Dinge zu bewegen, braucht es Menschen, die gemeinsam für ihre Sache einstehen. 2022 findet der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ zum dreißigsten Mal statt. Ein Aktionstag, der von der Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e. V. ins Leben gerufen wurde. In diesem Beitrag beleuchten wir die Geschichte der ISL e.V., ihre Ziele und wie sie sich für eine gleichberechtigte Gesellschaft einsetzt.

Disabled Peoples‘ International

Bevormundung, Diskriminierung und Exklusion. Menschen mit Behinderung wurden lange als ein Personenkreis zweiter Klasse betrachtet. Und das nicht nur im Hinblick auf politische Entscheidungen, sondern auch auf die medizinische Versorgung und gesellschaftliche Akzeptanz. Aus dieser Benachteiligung heraus entstanden in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts weltweit Bewegungen, die für eine gleichgestellte Zukunft eintraten – und es immer noch tun.

Als eine der ersten weltweiten Selbstvertretungsorganisationen wurde „Disabled Peoples‘ International“ im Jahr 1981 gegründet. Zwei entscheidende Faktoren spielten in die Gründung des DPI maßgeblich ein. Einerseits fühlten sich Menschen mit Behinderung nicht ausreichend vertreten: Dies insbesondere in der 1922 gegründeten Organisation „Rehabilitation International“. Auf dem Weltkongress der Rehabilitation International im Jahr 1980 wurde der Antrag, dass mindestens die Hälfte der Delegierten Menschen mit Behinderungen sein sollten, abgelehnt.

Andererseits wurden Behinderungen aus einem stark medizinischen Blickwinkel betrachtet. Eine Perspektive, die mit der Fremdbestimmung durch Dritte – beispielsweise staatliche Institutionen und „Fachexperten“ – einherging. Infolgedessen schlossen sich Interessenvertretungen aus der ganzen Welt 1981 zum Disabled Peoples‘ International zusammen, um sich eigenständig für Behindertenrechte und Selbstbestimmung zu engagieren. Sprich: Eine globale Vereinigung von und für Menschen mit Behinderungen.

Inklusion im Arbeitsleben.

Sei es im Privaten oder im Beruflichen: Inklusion bedeutet Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen.

Entwicklung in Deutschland

Auch hierzulande organisierten sich Menschen mit Behinderungen seit der Nachkriegszeit in zahlreichen Verbänden, Stiftungen und Clubs, um Alltagshindernisse abzubauen und für ihre Rechte einzustehen. Die als „Krüppelgruppen“ bezeichneten Vereinigungen vernetzten sich über die Jahre und brachten ihre Forderungen auf politischer Ebene zur Geltung. Die erste öffentliche Beratungsstelle für Selbstbestimmtes Leben wurde 1986 in Bremen eröffnet. Zahlreiche weitere Zentren sollten in der damaligen Bundesrepublik folgen.

Um größeren Druck auf die bundesweite Politik ausüben zu können, schlossen sich die Zentren für Selbstbestimmtes Leben im Jahr 1990 unter einem Dachverband zusammen. Als deutscher Zweig von Disabled Peoples‘ International setzt sich die Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben in Deutschland e.V. (ISL e.V.) seit nun mehr als 32 Jahren für gleiche Möglichkeiten, gleiche Rechte und die volle Teilnahme in allen Bereichen der Gesellschaft ein.

Ziele der ISL e.V.

Besonders an der ISL e.V. ist, dass sich die Leitidee der Selbstbestimmung in der Vereinsstruktur widerspiegelt. Alle Entscheidungskompetenzen liegen in den Händen von Menschen mit Behinderungen. Gleichzeitig müssen mindestens drei Viertel der bezahlten oder ehrenamtlichen Tätigkeiten von Menschen mit Behinderungen verantwortet werden. Mit über 20 Zentren für Selbstbestimmtes Leben setzt sich der ISL e.V. für folgende Ziele ein:

  • die Realisierung aller Menschenrechte behinderter Frauen und Männer
  • ein selbstbestimmtes Leben für alle Menschen mit Behinderungen
  • eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen in allen Bereichen des Lebens und der Gesellschaft
  • die Realisierung des Grundsatzes „Nichts über uns ohne uns!“
  • eine gerechte Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums zwischen Menschen mit und ohne Behinderungen

Quelle: „Selbstbestimmt Leben – Das Original!“ (Profil ISL-Deutsch, PDF)

So vielfältig die Ziele sind, so vielfältig sind auch die Wege, auf denen sich die ISL e.V. engagiert. Neben der politischen Interessenvertretung und bewusstseinsbildenden Öffentlichkeitsarbeit werden auch direkte Beratungsleistungen angeboten. Diese erfolgen im Rahmen des sogenannten „Peer Counselings“. Ob Arbeit, Bildung, Gesundheit oder Assistenz: In den Zentren für Selbstbestimmtes Leben teilen Menschen mit Behinderung ihre persönlichen Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Themen.

Experten in eigener Sache: Peer Counseling bedeutet Beratung von Betroffenen für Betroffene.

Der Europäische Protesttag

Wie eingehend erwähnt, jährt sich der „Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ 2022 zum dreißigsten Mal. Rund um den 05. Mai finden jährlich Demonstrationen und Veranstaltungen statt, um auf gesellschaftliche sowie politische Missstände aufmerksam zu machen. Ein Aktionstag, der 1992 von der ISL e.V. ins Leben gerufen wurde und bis heute eine wichtige Botschaft für Chancengleichheit, Vielfalt und Inklusion vermittelt.

Weitere Informationen zu seiner Geschichte finden Sie in unserem Blogbeitrag zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung.